Eine Reise in vergangene Zeiten !
Reiseimpressionen zu Madagaskar


"Was, ihr macht in Madagaskar Urlaub ?! Ihr geht dorthin wo der Pfeffer wächst !?!" oder "Wir lagen vor Madagaskar und hatten die Pest an Bord ... " waren die ersten Reaktionen, die wir immer wieder hörten wenn wir unser Reiseziel bekanntgaben. Was ist aber dran ?

Madagaskars ist eine Gewürzinsel, auf der Vanille, Gewürznelke, Pfeffer uvm. angebaut wird. Kaffee, Kakao und Bananen sind wohl die bekanntesten Nutzpflanzen der Insel. Auch Blüten für die Parfumherstellung werden hier geerntet und verleihen der Insel zur Erntezeit einen eignen Duft. Diese Gebiete befinden sich vor allem im Norden der Insel. Zu unserem Erstaunen mussten wir beim Tropeninstitut auch hören, daß die Pest in Madagaskar noch vorkommt, allerdings nur in den Slum-Vierteln der Großstädte die für Touristen sowieso uninteressant sind.


Unsere eigenen Gedanken gingen zuerst dahin, ob Madagaskar ein sicheres Reiseland ist. Die großen Reiseveranstalter bieten wegen der bis Mitte 2002 anhaltenden Unruhen, die nach der Präsidentschaftswahl Ende 2001 entstanden, Madagaskar zurzeit nicht an. Doch es ist nunmehr seit einem Jahr ruhig. Die gesprengten Brücken sind provisorisch wieder aufgebaut und das normale Leben ist wieder eingekehrt. Erstaunlich, wie schnell nach Anerkennung des neuen Präsidenten Marc Ravalomanana wieder "Normalität" herrscht. Die Internetseite » Ära Ravalomanana « bietet hier eine gute Möglichkeit, sich ein eigenes Bild von der Lage in Madagaskar zu machen.


madas-4.jpg Aber was zog uns in diese Gegend ? Die Tierwelt Madagaskars ist einzigartig. Hier findet man die größte und kleinste Chamäleonart der Welt, Lemuren - von denen viele im Zoo die Kattas schon einmal gesehen haben - und viele weitere endemische Tierarten faszinieren ebenso wie die nur hier vorkommende Pflanzenwelt (xx%sind endemisch) mit bizarren Trocken- und Regenwäldern. Die Artenvielfalt der Vogelwelt Madagaskars ist weniger beeindruckend, doch sind 65% der Arten endemisch, was selbst den Vogelbeobachter reizt.

Das erste, das uns allerdings auffiel, ist daß hier einscheinend die Zeit stehengeblieben ist. Nur die "Großstädte" sind hier eine Ausnahme, ansonsten ist Strom, fließend Warmwasser und vieles mehr eine Seltenheit. Hauptverkehrsmittel ist "zu Fuß" oder der Ochsenkarren. In Städten findet man Rikschas und Autos. Die Hauptstraßen sind nach europäischem Standard Feldwege und - je mehr man in den Süden des Landes kommt - ungeteert oder mit tiefen Schlaglöchern. Ohne Allrad bzw. hochliegendem Fahrzeug ist der Süden in seinen schönsten Gegenden nicht zu besuchen.

Unsere Reise startete in Tolanaro (Tolagnaro / Fort Dauphin). Dorthin zu gelangen war die erste Schwierigkeit. Tor in die Welt ist der Flughafen der Hauptstadt Antananarivo (Tana / Tananarivo). Der erste Inlandsflug ist für uns, die wir kaum französisch können, ein Koordinationssache mit Geschick. Die Inlandsflüge werden nur in französisch und madagassisch angesagt, mit englisch kommt man da nicht weiter. Vor allem als die ersten Verspätungen und Änderungen des Flugplans bekanntgegeben wurden, denn die madagassische Airline Air Madagaskar wird gerade umorganisiert und stattfindende Inlandsflüge sind nicht immer eine Selbstverständlichkeit, war es nicht ganz leicht noch alles zu verstehen. Desweiteren werden bei Inlandsflügen nur die madagssischen Städtenamen verwendet und auch hier gibt es oft mehrere Namen für eine Stadt. Die französischen Namen werden kaum noch verwendet.


madas-1.jpg

Höhepunkt im Süden ist neben der Vegetationsvielfalt der Naturpark Berenty, eine Insel für Lemuren umgeben von Sisalplantagen. Begegnungen mit 3 Lemurenarten sind hier garantiert, dem Katta, dem Larvensifaka und dem braunen Lemur. Wenn man sich ein wenig Zeit nimmt, sieht man hier auch den Tanz des Sifakas, die seitlich Fortbewegung dieses langbeinigen Lemurens auf dem Boden. Als Einstieg in die Fauna Madagaskars ist der Naturpark perfekt! madas-2.jpg Doch ist dieses Paradies nicht ohne Makel. Durch die isolierte Lage können die Lemurengruppen nicht wandern, so daß die Anfälligkeit für Krankheiten und Zecken hoch ist. Vergleicht man die Kattas in Berenty mit anderen, so sieht das Fell längst nicht so glänzend und dicht aus. Durch 1 Jahr ohne Touristen ist aber wenigstens das Betteln um Bananen stark zurückgegangen, so daß das natürlicheres Verhalten wieder zum Vorschein kommt.


Von Berenty aus geht es durch den einzigartigen Dornen-/Trockenwald des Südens. Um diesen zu sehen muß man die "Nationalstraße" nach Toliara (Tuléar) nehmen, eine nicht Straße zu nennende Piste über Geröll und Sand. Dieser Weg ist eine Strapaze für Rücken und Nacken und dementsprechend auch nur sehr langsam (6-10 km/h) befahren.
madas-3.jpg Jedesmal, wenn wir zum Picknick oder zum Fotografieren anhielten, waren wir schnell die Bestaunten. Der ganze Reichtum der Südmadagassen sind die Zebus. So ist es nicht erstaunlich, daß 1-2 Kinder auf das einzige Tier der Familie aufpassen. Kommt nun ein Weißer, so ist die Neugier groß. Für eine "Pinkelpause" unbeobachtet hinter die Büsche zu gehen ist unmöglich. Unser Fahrer erklärt uns, daß wir ein Zeichen der Hoffnung sind. 2 Weiße in einem Auto im Süden heißt meistens ein Entwicklungsprojekt, und wenn nicht, so gehen die Weißen doch meist nur dahin, wo es sich lohnt ! Angebettelt wurden wir dabei nicht, nur auf dem Markt konnte so etwas schon passieren.


madas-5.jpg
--> bald geht es hier weiter mit dem nächsten Reiseabschnitt :
madas-6.jpg