Huskyschlittentour in Kanada ... wie kommt man auf so eine Idee ?! Das sollten wir später immer wieder von Freunden und Bekannten hören. Als wir in Toronto ankamen waren wir aber sicher, daß es ein Spaß werden würde. In Deutschland war es - jedenfalls bei uns in der Gegend - wieder einer dieser verregneten Winter und wir waren schneehungrig. Also, ab nach Kanada in den Schnee.
Wir haben uns einer Gruppe angeschlossen und werden in den nächsten Tagen nun eine ganz neue Erfahrung machen : Huskyschlitten selbst lenken.
Aber erst einmal geht es zu gemütlichen Hütten in der Umgebung des Algonquin NP, zum Lakesite Cottage Resort. In Blockhütten für 2 Personen direkt am zugefrorenen See beginnt der Urlaub. Wälder und Schnee rings herum, der See vor uns und im warmen Gemeinschaftshaus werden wir herzlich von unserem Gastgeber bergüßt. Die Tage hier sollten - so wissen wir später - ein "Verwöhnwochenende" werden mit warmen Applepy und ähnlichem.
Den nächsten Tag schnallen wir die Schneeschuhe unter und unternehmen eine Schneewanderung im Wald. Es macht viel Spaß. Ein Wettrennen auf Schneeschuhen darf natürlich auch nicht fehlen.
Bald ist es dann auch so weit und wir fahren tags darauf zur Chocpaw Expeditions Station. Erst einmal wird uns erklärt, wie den Schlittenhunden das Geschirr angelegt wird.
Einige von uns probieren es dann auch schon mal an unserem sehr geduldigen Testexemplar. Danach geht es ins Lager. Schuhe für die Reise hatten wir fast alle vorreserviert.
Erstens hat fast keiner geeignete Schuhe (so eine Art Gummistiefel mit festem Fußbereich z.B. aus Leder wie es einige Winterschuhe haben ist sinnvoll) und zweitens werden
diese evtl. beim Bremsen des Schlittens ruiniert. Große Schuhgrößen waren allerdings schnell vergriffen, so daß der eine oder andere ein wenig improvisieren musste.
Endlich ausgestattet fahren wir dann zum Hundeplatz. Auf einer großen Fläche liegen Tonnen als Hundehütten Die Huskys sind dort an den jeweiigen Tonnen angeleint. Ein paar
Welpen begrüssen uns am Eingang.
Einer der Chocpaw Leute teilt uns nun erst die Schlitten und dann die Hunde zu. Ich bin gespannt, als es heisst “Du bekommst Jessi; 2 Reihe, dritte Tonne links”. Also flitze
ich in die 2. Reihe zur dritten Tonne, mache Jessi los, hebe sie am Halsband hoch, so daß die Vorderpfoten den Boden nicht mehr berühren (sonst könnte ich den Husky nicht halten)
und gehe mit ihr zu “meinem” Schlitten.
Dort bekomme ich die Position im Gespann mitgeteilt. Jessi kommt nach hinten. Also einspannen, sicher stellen, daß der Schlitten fest
verankert ist und nicht ohne mich schon mal losfährt und wieder einreihen zum Abholen des nächsten Huskys für mein Gespann. So kommen nun auch Yawn, Amos und Chime
in mein Team. Danach helfe ich noch anderen, die noch einen Husky für ihr Gespann brauchen. Nun stehen wir alle - schön hintereinander aufgereiht - abwartend bei unseren
Schlitten, jeder mit 4 Hunden vor einem Einzelschlitten. Nur unsere 2 Chocpaw Begleiter haben 6 Huskys vor ihren Schlitten.
Dann geht es los. Die Hunde springen förmlich in ihr Geschirr. Jeder löst die Verankerung des Schlittens, stellt sich auf die Kufen, noch einmal ein unsicherer Blick direkt auf die Bremse (eine in Kufennähe angebrachte Konstruktion) und dann heisst es “Amos ! Chime ! Jessi ! Yawn ! Are you ready ?! Let's go !!” . Mit einem Ruck setzt sich der Schlitten in Bewegung. Es ist ein tolles Gefühl, wie wir nun Richtung Algonquin NP loslegen.
Am Anfang kommen uns noch Schneemobile entgegen, aber den Hunden macht das nichts aus. Und dann sind wir allein im NP. Nur das lautstarke Gekläff der Hunde und die
Natur umgibt uns. Ja, so hatten wir es uns vorgestellt !
Wenig später fühlen wir uns schon sicher auf den Schlitten. Dann geht es in hügliges Gelände. Hoch laufen wir - immer die Hände am Schlitten - hinter dem Schlitten hinterher,
um die Hunde zu entlasten. Schließlich ziehen diese ja die Ausrüstung und den Proviant für uns und sich selbst. Später lernen wir noch, wie die Schlitten zu packen sind, das
erste Mal hatten wir noch Hilfe.
Langsam legt sich die Aufregung auch bei den Hunden. Dann passiert es. Der erste passt nicht auf und kommt mit einer Kufe in den Tiefschnee. Alles bremst und wir erwarten,
daß der Schlitten kippt. Glück gehabt ! Es reicht, den Schlitten wieder herauszuhiefen, umgekippt ist er diesmal nicht - das sollte aber im Laufe der Zeit auch noch passieren.
(Macht aber auch nicht viel mehr aus, da die Ladung gut verschnürt ist.)
Weiter geht es. Am späten Nachmittag erreichen wir unser erstes Ziel. Es sind bereits vorher aufgestellte Gruppenzelte (Traperzelte mit Holzfussboden). Das größere hat einen Ofen,
ein kleineres ist für die Hartgesottenen. Bei nächtlichen Graden von -20° C entschliessen wir uns alle für das große Zelt. An den umliegenden Bäumen sind Ketten angebracht, an
denen wir nun die Hunde anketten nachdem wir das Geschirr abgenommen haben. Einige von uns kümmern sich um das Feuerholz, daß noch gesägt werden muss, andere um das
Essen und ich habe mir die Arbeit rund um die Hunde ausgesucht.
In Eimern wird Wasser erwärmt und mit dem mitgebrachten gefrorenem Hundefutter vermischt. Dieses Gemisch wird nun den Hunden hingehalten, aber aufpassen, daß sie weder zu
viel noch zu wenig trinken. Diesen Trick benutzen die Guides, damit die Hunde auch trinken wollen. Mit etwas Geschmack schmeckt das Wasser auch Hunden besser. Jedem Husky
wird natürlich auch noch Hundefutter in gefrorenen Scheiben gegeben.
Als ich damit fertig bin ist das Abendessen auch schon soweit. Die armen Köche haben im Zelt vor dem heissen Ofen ganz schön geschwitzt. Schmecken tut es prima ! Danach breitet
jeder auf einer Holzebene seine Matte und Schlafsack aus. Wir sind hundemüde, so daß keiner noch lange wach bleibt.
Am nächsten Morgen heisst es früh raus. Da ich mich erst um die Hunde kümmern muss, bin ich eine der ersten die aufsteht. Also wieder Wasser auf gewohnte Weise den Hunden geben etc. Danach geht es zum Frühstück. Schön, wenn man von -20 ° C draußen wieder ins warme Zelt kommt.
Spannend wird das erste Mal den Schlitten packen: Folie ausbreiten, Gepäck und Proviant holen und aufladen. Das Verschnüren ist eine richtige Kunst. Das Seil muss so durch die Ritzen des Schlittens gezogen werden, daß die Ladung fest verschnürt ist, die Kufen aber nicht behindert werden. Nach einigen Versuchen klappt es dann auch. Nun noch die beim Fühstück vorbereitete Thermoskanne mit Tee verstaut und fertig ist der Schlitten. Doch halt, da fehlen noch die Hunde. Jeder legt seinem Hundeteam das Einzelgeschirr um, vergewissert sich, daß der “Anker” sicher den Schlitten hält damit die Hunde nicht ohne uns schon starten und spannt dann die Hunde vor. Die Hunde sind aufgeregt. Immer wieder springen sie gegen das Geschirr um den Schlitten schon frühzeitig zu lösen. Sollte ein Tier in der Nähe gewesen sein, so ist es bei dem lautstarken Gebäll spätestens jetzt verschwunden. Einige Hunde verheddern sich im Geschirr und müssen noch mal richtig hingestellt werden. Dann stellen wir uns auf die Schlitten, eine Hand am Schlitten, die andere am Anker. Jetzt kann es wieder losgehen. Einer nach dem anderen löst den Anker und a geht es in einer fein säuberlich aufgereihten Linie weiter. Herrlich ! Endlich wieder unterwegs !
Die Tage vergehen nun immer im gleichen Rhytmus. Lustige Einzelepisoden gibt es natürlich immer wieder. So vergaß ein Mitglied unserer Gruppe, den Schlitten zu kippen, als er vom
Schlitten fiel. Kippt der Schlitten, so verheddert er sich schnell im nächsten Gebüsch und umgekippt können die Huskys ihn auch nur sehr schwer ziehen. Da der Schlitten nun aber
so leicht war, überholte er alle - jedoch ohne den Fahrer. Etwas später rannte dieser dann aufgeregt hinterher : “Haaaalt, stoppt den Schlitten !”. So blieb den Guides nichts anderes
übrig, als die Huskys samt Schlitten wieder einzufangen.
Leider bekommt ein Mitglied unserer Gruppe Probleme mit dem Knie. Da keiner von uns vorher von dem ständigen Hügel hoch = hinterherlaufen und vor allem dem schwierigeren
Hügel runter = auf der Bremse stehen damit der Schitten die Hunde nicht überholt gewusst hatte, waren die Verfassung der einzelnen Teilnehmer doch sehr unterschiedlich. Nein,
man muss kein durchtrainierter Sportler sein, aber man sollte durschnittlich fit und von den Beinen her belastbar sein. Wer das nicht ist sollte besser Lappland mit seinen flachen
Strecken für eine Huskytour nutzen.
Zum Ende der Tour hin mussten einige “ihre” Hunde abgeben. Nun stiegen die Fahrer vierer Schlitten auf 2 Doppelschlitten mit je 6 Hunden um. Damit war für einige Hunde hier Schluss.
Nur ungern gebe ich Jessi und Yawn ab. Wieso ausgerechnet “meine” Hunde ! Na ja, die Erfahrung mit einem 2er Schlitten ist vielleicht auch interessant. Trotzdem schirre ich die
zwei nur mit Widerwillen ab und verfrachte sie in den Hundetransporter. “Danke ihr zwei” denke ich noch. Die verwaisten Schlitten werden aufgeladen und dann geht es weiter. Da wir
inzwischen schon einiges von dem Hundefutter und Proviant verbraucht haben, sind die Doppelschlitten auch nicht zu hoch bepackt. Ich setze mich also auf einen und bin gespannt
wie es laufen wird. Schon bald bereue ich meinen Mut. Was zum Teufel hatte mich da nur geritten. Von unten sieht alles gefährlicher aus. Dazu kommt, daß man jeden Fahrfehler sofort
ausbaden muss. Mehrfach liege ich im Tiefschnee. Wir nehmen es mit Gelächter. Langsam wird es mir kalt. Es fehlt die Bewegung. Für eine kurze Zeit macht es ja Spaß, aber länger
möchte ich nicht auf dem Schlitten sitzen. Nun wird getauscht und mein Fahrer kommt auf den Schlitten. Jetzt bekommt sie meine Fahrfehler zu spüren. Auch sie landet im Tiefschnee.
Hügel hoch läuft sie hinterher und ich muss auf einmal 6 Hunde statt der üblichen 4 bändigen .
Am nächsten Tag wird getauscht und andere erleben nun den Doppelschlitten. Mit dem neuen Huskygespann ist es aber auch im Einzelschlitten anders. Ich merke, wie stark ich mich an
die Marotten “meines” Hundeteams gewöhnt hatte. Jeder Husky hat halt seinen eigenen Charakter. Trotzdem, ich bin froh wieder mit einem Einzelschlitten unterwegs zu sein. Abends
hatte unser Guide gesagt, daß man schon bei der Buchung den Wunsch nach einem Einzelschlitten hätte angeben müssen, da es nicht immer eine Selbstverständlichkeit ist. Für das
nächste Mal - und es wird ein nächstes Mal geben, da bin ich mir ganz sicher - werde ich es mir merken.
Nach einigen Tagen ist das Abtenteuer dann vorbei und wir liefern die Hunde wird am Stratpunkt ab. Nun geht es allen so wie mir schon zuvor. Jeder gibt “seine” Hunde nur ungern wieder ab. Wir waren inzwischen ein gutes Team geworden.
Nun geht es zurück zum Lakesite Cottage Resort. Abends werden wir mit einem Ttruthahn Dinner überrascht. Der Abend wird noch lang und wir lassen am Kaminfeuer die letzten
Tage Revue passieren.
Zum Ausklang der Reise geht es in die Loipe. Einen Tag Skilanglauf, der für alle ein Gaudi ist. Einige von uns stehen zum ersten Mal auf Skiern, es klappt aber bei allen prima.
Für unseren Rückflug müssen wir wieder nach Toronto. Dort haben wir uns noch einen Tag für die Niagara Falls Zeit genommen. Kurz vorher sollen sie sogar eingefroren gewesen sein. Die Niagarafälle mit Eis sind toll anzusehen, bei uns fliesst das Wasser. Man kann sich gut vorstellen, welche Kraft erst im Frühjar in ihnen stecken muss. Jedenfalls : eine schöne Art die Reise abzuschliessen.